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Schimmel in einem Kosmetikstudio.

Schimmel im Kosmetikstudio in Kellerbereich eine MFH

 

Sachlage!

In einem Telefonat bat mich der Eigentümer einer kleinen Wohnung (ca. 40 m²), die zurzeit als Kosmetikstudio genutzt wird, um einen Ortstermin da die Mieterin sich über Schimmelbildung beklagte. Im Rahmen der Ursachenklärung kam es zu einem ersten Ortstermin. Die Mieterin beklagte im Behandlungsraum Schimmelbildung in zwei Raumecken. Es handelte sich um die rechte und linke Ecke einer Wand, die in der Fläche an Erdreich grenzt. Von den Flankierenden Wände grenzt eine Wand an einen unbeheizten Keller, die andere Wand grenzt an Außenluft. Aufgrund der Nutzung als Kosmetikstudio hat die Mieterin den Schimmelbelag schon mehrfach entfernt, dies war auch nachvollziehbar. Somit war am Tag des Ortstermins keine Schimmelbildung sichtbar. Die Schimmelbildung wurde aber von beiden Parteien bestätigt. Ich war der zweite Sachverständige, der die Ursache der Schimmelbildung klären sollte.

Es bestand aber auch eine Vorgeschichte. Einzug der Mieterin 2015. Im Nachbarkeller war 2016 eine Pumpe ausgefallen und es verteilte sich Wasser auf der Bodenplatte. Der Schaden wurde allerdings rechtzeitig erkannt und mir wurde zugesichert, dass der Schaden Fachgerecht beseitigt wurde. Der Boden wurde wahrscheinlich auch richtig getrocknet. Aber die angrenzenden Wände wurde nicht berücksichtigt. Es kam zur Schimmelbildung an den Wänden, die an Außenluft grenzen. Aufgrund der schnellen Trocknung war die Wand allerdings wieder schnell auf die Ausgleichsfeuchte zurückgetrocknet. Der Schaden war damit beseitigt, zumindest scheinbar. Denn im April/Mai kam es erneut zur Schimmelbildung.

 

Es wurde zum ersten Mal ein Sachverständiger hinzugezogen. Dieser hat mittels eines Mikrowellen Messgerätes festgestellt, dass alle Wände Trocken sind und ist zu der folgenden Schlussfolgerung gekommen: Die Wandfußpunkte sind aufgrund der Souterrain Bauweise ständig kalt. Weiter führte der SV an, dass es aufgrund der Nutzung als Kosmetikstudio zu erhöhter Luftfeuchte kommen kann. Der Lösungsvorschlag! Anbringen einer Calciumsilikatplatte im Sockelbereich und Aufstellen eines Luftentfeuchters. Die Aussagen wurden dann nicht als Ursachen Ermittlung einer Schimmelbildung bezeichnet, sondern als „Aktennotiz“.

Gesagt und getan. Es wurden im August 2017 im Behandlungsraum bis zu einer Höhe von 60 cm 2 cm dicke Calciumsilikatplatten angebracht. Daraufhin fingen die Wände im Flur im Sockelbereich an zu Schimmeln. Also wurden auch hier Januar 2018 Calciumsilikatplatten angebracht. Zum Herbst fing es dann im Behandlungsraum in den oben beschriebenen Ecken an zu Schimmeln, allerdings nur bis zu einer höhe von ca. 20 cm. Ansonsten wurde keine weitere Schimmelbildung beklagt.

 

Ursache der Schimmelbildung!

 

Die von mir durchgeführten Feuchtemessungen gaben keinen Hinweis auf das Vorliegen von Feuchtigkeit im Mauerwerk. Somit entschloss ich in Absprache mit den Parteien, die Klimabedingungen im Raum und die Oberflächentemperatur in einer der betroffenen Ecken sowie an einer Stelle in der Mitte der Wand zwischen den Ecken über einen Zeitraum von einer Woche aufzuzeichnen.

Die Ergebnisse können dem folgenden Diagramm entnommen werden.

 

 

 

In den 9 Tagen, an denen die Datenaufzeichnung stattfand, kam es vier Mal zu einer Überschreitung einer relativen Luftfeuchte von 70%, in der restlichen Zeit lag die relative Luftfeuchte zwischen 45% und 65% und die Temperatur der Raumluft zwischen 18.5°C und 21,0°C. Interessanter sind die Temperaturen die an den Oberflächen Aufgezeichnet wurden. Die Temperatur in der Wandecke lag fast durchgehend 2°C unter der Temperatur, die in Wandmitte aufgezeichnet wurde. Das ist ein Hinweis auf das vorliegen einer Wärmebrücke. Gelüftet wurden die Räumlichkeiten im Messzeitraum vorwiegend morgens einmal. Aufgrund dieses Lüftungsverhaltens, was man normalerweise als unzureichend bemängeln würde, ist es in gesamten Messzeitraum täglich nur zu einer Überschreitung von ca.45 Minuten gekommen, in denen es zur Schimmelbildung hätte kommen können. Und dies auch nur für Schimmelpilze die sich mit 70% rel. Luftfeuchte zum Wachstumsbeginn begnügen. Somit war das Lüftungsverhalten nicht ausschlaggebend. Wobei man sich fragen kann, wieso in einen Kosmetikstudio nur einmal am Tag gelüftet wird.

 

Somit konnte ein falsches Nutzerverhalten sowie erhöhte Feuchtigkeit in Wänden und Böden ausgeschlossen werden. Somit blieb als Ursache nur noch die Bauweise.

 

Die Ursache liegt in der Souterrainbauweise. Nach Schilderung der Mieterin ist der Schimmel immer in den Übergangsmonaten und im Sommer entstanden. Somit handelte es sich in diesem Fall um eine typische Sommerkondensation. Wobei hier der Übergang vom Winter auf den Frühling am Problematischsten ist. Da die Kälte über das Erdreich zeitversetzt in den jeweiligen Wandbereichen des Kellermauerwerkes ankommt, ist dieser Übergang in meinen Augen der kritischste. In dieser Übergangszeit steigt außen die Luftfeuchte wieder an und trifft nach dem Lüften auf die kalten Stellen des Kellermauerwerkes, eben den Sockelbereich. Es können auch andere Bereiche betroffen sein, das kommt immer auf die Umstände an, in diesem Fall ist es eben der Sockelbereich. Bis hierhin war der Vorschlag des ersten Sachverständigen auch Zielführend, den im Sockelbereich tritt nun auch kein Schimmel mehr auf.

 

Warum schimmelt es den nun in den Ecken oberhalb der Calciumsilikatplatte? Nun die Lösung dieses Problems lag hier auf der Hand. In den beiden Ecken liegt eine Wärmebrücke vor. Normalerweise geht man davon aus, dass der Wirkungsbereich einer Wärmebrücke nach ca. 60 cm endet. Dies ist aber in diesem Fall nicht der Fall. Hätte man in den betroffenen Ecken die Calciumsilikatplatte in Form von Dämmkeilen bis unter die Decke geführt, wäre die Schimmelbildung in den Ecken nicht mehr aufgetreten.

 

Aber grundsätzlich muss darauf hingewiesen werden, dass das Problem der Souterrainbauweise schon in der Planung besondere Aufmerksamkeit verlangt, wenn die Räume einer höherwertigen Nutzung zugeführt werden sollen. Im hier vorliegenden Fall muss im Frühling und Sommer beim Lüften aufgepasst werden. Aber das sich die Schimmelbildung nur auf die zwei Ecken beschränkte, sollte nach dem Anbringen der zusätzlichen Dämmkeile das Problem gelöst sein. Alternativ könnte auch auf eine technische Lüftung zurückgegriffen werden. Dadurch würden aber höhere Kosten für die Problemlösung anfallen. In jedem Fall sind die Nutzer ausführlich in diese Problematik einzuführen und auf das geänderte Lüftungsverhalten hinzuweisen.